Was ist Ihre Liegenschaft wert?
Bewerten Sie landwirtschaftliche und gemischte Liegenschaften – kostenlos.

Ermittlung der Preise für Landwirtschaftsland in der Schweiz: Was müssen Sie beachten?

Oliver S.
13.03.2026
7 min
Inhaltsverzeichnis

Die Ermittlung der Landwirtschaftsland-Preise in der Schweiz folgt eigenen Regeln. Anders als bei Bauland setzt das BGBB klare Grenzen: Ein Verkaufspreis darf höchstens 5 % über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen. Wenn Sie landwirtschaftliche Flächen bewerten wollen, müssen Sie zudem das Selbstbewirtschafterprinzip und den Ertragswert kennen. Erfahren Sie hier, wie Sie den Wert korrekt berechnen und worauf es bei der kantonalen Bewilligung ankommt.

Das Wichtigste im Überblick
  • Gesetzliche Preisbremse: Der Verkaufspreis für Landwirtschaftsland ist staatlich reguliert. Er darf den regionalen Durchschnittspreis der letzten fünf Jahre um höchstens 5 % überschreiten.
  • Vorkaufsrecht für Landwirte: In der Schweiz gilt das Selbstbewirtschafterprinzip. Wer das Land selbst bewirtschaftet, hat beim Kauf Vorrang. Nicht-Landwirte benötigen eine Ausnahmebewilligung.
  • Zwei verschiedene Werte: Der Verkehrswert ist der maximal zulässige Verkaufspreis. Der Ertragswert basiert auf dem möglichen Einkommen durch Bewirtschaftung und ist entscheidend für die Höhe der Bankkredite.
  • Wichtige Preisfaktoren: Neben der Lage bestimmen vor allem die Bodenqualität (Bonitierung), die Erschliessung und das Ausnützungspotenzial (Bebaubarkeit für landwirtschaftliche Zwecke) den Wert.
  • Kantonale Hoheit: Jedes Geschäft benötigt eine Bewilligung der kantonalen Bodenrechtsbehörde. Ohne diese Zustimmung ist ein Kaufvertrag rechtlich nicht bindend.

Das gesetzliche Fundament: BGBB und Selbstbewirtschafterprinzip

Die Bewertung von Agrarland ist in der Schweiz untrennbar mit dem BGBB verbunden. Das Gesetz verfolgt drei Hauptziele:

  1. Erhalt von bäuerlichen Familienbetrieben: Land soll in den Händen von Landwirten bleiben.
  2. Selbstbewirtschafterprivileg: Wer das Land selbst bewirtschaftet, hat beim Kauf Vorrang.
  3. Vermeidung von Güterzerstückelung: Flächen dürfen nicht beliebig aufgeteilt werden.

Fordern Sie hier eine Grundstücksbewertung an

Geben Sie Ihre Adresse ein, um eine Bewertung zu starten, und kontaktieren Sie einen lokalen Makler, um eine unverbindliche Begutachtung vor Ort zu vereinbaren.

Was sind landwirtschaftliche Nutzflächen?

Landwirtschaftliche Nutzflächen sind Flächen, die anbaufähig, aber nicht überbaubar sind. Umgangssprachlich werden damit manchmal auch unproduktive Flächen wie Wälder (ohne Weide) gemeint. Da landwirtschaftliche Nutzflächen zum Anbau genutzt werden, zählt ein Wald nicht dazu. Landwirtschaftsflächen können auch mit einem Baugrundstück kombiniert sein. Hier finden Sie mehr Informationen zur Wertermittlung eines Baugrundstücks.

bewertung landwirtschaftliche flächen

Landwirtschaftsland in der Schweiz kaufen: Wie hoch sind die Preise?

Der zulässige Höchstpreis ist nicht willkürlich, sondern orientiert sich am ortsüblichen Freihaltepreis. Da die Bodenqualität und die Nutzungszone stark variieren, dienen die folgenden Richtwerte als Orientierung. Sie beziehen sich auf marktgerechte Freihandverkäufe unter Berücksichtigung der gesetzlichen Höchstpreisgrenzen:

Region / LandartTypische Preisspanne (CHF/m²)
Ackerland (Mittelland/Gute Lage)CHF 6.– bis 10.–
Graswirtschaft (Hügelzone)CHF 2.– bis 5.–
Alpweiden / Unproduktives LandCHF 0.50 bis 1.50
Spezialkulturen (Weinbau/Obst)CHF 15.– bis 40.–+

Was besagt die 5 %-Regel?

Die Behörden berechnen den Durchschnittspreis aller Transaktionen der letzten 5 Jahre in Ihrer Region. Liegt Ihr vereinbarter Preis mehr als 5 % darüber, gilt er als «übersetzt» und wird in der Regel nicht bewilligt.

Landwirtschaftsland-Preise in der Schweiz: Faktoren für die Bewertung

1. Die Eigenschaften des Bodens

Die Beschaffenheit des Bodens, die nutzbare Oberfläche und die Neigung des Bodens sind wesentliche Elemente, die bei der Bewertung landwirtschaftlicher Flächen zu berücksichtigen sind.

2. Die Lage

Der Zugang, die Nähe zu den wichtigsten Netzen (Stromnetz, Wassernetz, Strassennetz) und möglicherweise zu anderen bewirtschafteten Flächen haben direkten Einfluss auf den Wert. So ist insbesondere ein weit entlegenes Grundstück, das schwierig zu erreichen ist, weniger interessant als eines in der Nähe des Dorfkerns.

3. Kürzlich abgeschlossene Verkäufe

Um Immobilienmarktpreise nicht unverhältnismässig zum Steigen zu bringen, verwendet das Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht auch die Preise von Transaktionen mit Ackerland in derselben Region, die in den vergangenen fünf Jahren stattgefunden haben.

4. Die Nutzbarkeit

Naturgemäss wird Ackerland zum Zweck der Bewirtschaftung erworben. Je rentabler der Betrieb, desto wertvoller wird auch die Bewertung der landwirtschaftlichen Flächen ausfallen.

5. Die Bebaubarkeit des Grundstücks

Ein landwirtschaftliches Grundstück hat als einzige Funktion seine landwirtschaftliche Nutzung. Man kann aber auch bei der Gemeinde eine Genehmigung beantragen, um ein bereits bestehendes Gebäude umzugestalten oder einen mit der landwirtschaftlichen Nutzung verbundenen Raum oder ein mit dem Zuhause des Bauern verbundenes Gebäude zu bauen.

Worauf Experten besonders achten: Die Bonitierung

In vielen Kantonen wird die Bodenqualität über ein Punktesystem (Bonitierung) objektiviert. Ein Boden mit hoher Punktzahl (tiefgründig, nährstoffreich, gute Wasserführung) rechtfertigt einen Preis am oberen Ende der gesetzlichen Skala. Faktoren wie eine Hangneigung oder Steinigkeit führen hingegen zu Abzügen.

Fordern Sie hier eine Grundstücksbewertung an

Geben Sie Ihre Adresse ein, um eine Bewertung zu starten, und kontaktieren Sie einen lokalen Makler, um eine unverbindliche Begutachtung vor Ort zu vereinbaren.

Kann ich Landwirtschaftsland-Preise in der Schweiz auch selbst schätzen?

Um die Preise für Landwirtschaftsland in der Schweiz selbst zu schätzen, müssen Sie sich den durchschnittlichen Marktpreis ansehen und ähnliche Flächen am Markt analysieren. So erhalten Sie einen Richtwert für Ihre Schätzung.

Schätzung von Agrarland anhand des durchschnittlichen Marktpreises

Den durchschnittlichen Marktpreis berechnet man auf der Grundlage der Verkaufspreise ähnlicher Grundstücke in der Region in den vergangenen 5 Jahren. Dieser Durchschnittspreis wird jedes Jahr von den kantonalen Bodenrechtsbehörden festgelegt. Diesen können Sie zur Berechnung Ihres Verkaufspreises heranziehen, der auch als «gesetzlicher Preis» bezeichnet wird, wenn er den in Ihrer Region zulässigen Höchstpreis für landwirtschaftliche Nutzflächen respektiert. Dieser gesetzliche Preis beträgt definitionsgemäss das 1,05-fache des «durchschnittlichen Marktpreises».

Den Wert einer landwirtschaftlichen Nutzfläche ermitteln

Ermittlung des Werts landwirtschaftlicher Flächen: Analyse ähnlicher Flächen auf dem Markt

Die Verwendung des Marktpreises ist eine schnelle und einfache Methode zur Schätzung Ihres Ackerlandes, aber sie berücksichtigt nicht alle Besonderheiten der Nutzfläche. Um den Preis für Ihr Land zu ermitteln, können Sie es mit ähnlichen Grundstücken vergleichen, die derzeit in der Gegend zum Verkauf stehen. Wenn der Boden so beschaffen ist, dass man ihn erst bearbeiten muss, damit man ihn bewirtschaften kann, ist sein Wert geringer als bei Nutzflächen, die direkt genutzt werden können.

Beachten Sie, dass bei der Anpassung Ihres Verkaufspreises der maximal zulässige Preis niemals um mehr als 5 % überschritten werden darf. In diesem Fall wird nämlich nicht mehr von einem gesetzlichen Preis, sondern von einem überhöhten Preis gesprochen.

Ertragswert vs. Verkehrswert: Wo liegt der Unterschied?

Wenn Sie landwirtschaftliche Flächen bewerten, treffen Sie auf zwei unterschiedliche Werte, die für den Verkauf und die Finanzierung relevant sind:

  • Verkehrswert (Höchstpreis): Das ist der Preis, zu dem Sie das Land gemäss BGBB maximal verkaufen dürfen. Er orientiert sich an den Marktpreisen der letzten fünf Jahre.
  • Ertragswert: Dieser Wert stellt das Kapital dar, das durch die Bewirtschaftung des Landes verzinst werden kann. Er ist die Basis für die Belehnungsgrenze (Hypotheken) und spielt eine zentrale Rolle bei der innerfamiliären Übernahme zum Vorzugspreis.

Wie berechnet sich der Ertragswert in der Landwirtschaft?

Da der Ertragswert in der ganzen Schweiz einheitlich ermittelt wird, gibt die Verordnung über das bäuerliche Bodenrecht (VBB) klare Richtlinien vor. Die Berechnung stützt sich auf zwei Pfeiler:

  1. Das nachhaltige Einkommen: Was lässt sich mit dem Betrieb oder dem Land bei ortsüblicher Bewirtschaftung erwirtschaften?
  2. Der Kapitalisierungssatz: Ein über mehrere Jahre festgelegter Durchschnittssatz, der zur Verzinsung herangezogen wird.

Wegen dieser mathematischen Herleitung fällt der Ertragswert meist deutlich tiefer aus als der Verkehrswert. Dies ist politisch gewollt, um die Verschuldung der Betriebe niedrig zu halten und die Übernahme innerhalb der Familie zu erleichtern. Da die Schätzung viel Fachwissen über die Bodenfruchtbarkeit und gesetzliche Vorgaben verlangt, lohnt sich hier der Beizug eines Experten. Nur eine professionelle Begutachtung stellt sicher, dass Sie eine verlässliche Zahl für Ihre Bank oder die Erbteilung erhalten.

Landwirtschaftsland kaufen als Nicht-Landwirt: Geht das?

In der Schweiz gilt das Selbstbewirtschafterprinzip. Das bedeutet: Wer Landwirtschaftsland kaufen möchte, muss es in der Regel selbst bewirtschaften und über eine entsprechende Ausbildung (Landwirt) verfügen.

Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen Nicht-Landwirte eine Kaufbewilligung erhalten können:

  • Geringfügigkeit: Das Grundstück ist so klein, dass es nicht zum Geltungsbereich des BGBB gehört (oft unter 2'500 m², kantonal unterschiedlich).
  • Spezielle Nutzung: Das Land wird für ein öffentliches Projekt oder eine nicht-landwirtschaftliche, aber zonenkonforme Nutzung benötigt.
  • Kein Interesse von Landwirten: Wenn nachgewiesen werden kann, dass kein Selbstbewirtschafter das Land zum zulässigen Höchstpreis kaufen möchte (Ausschreibungsverfahren).
  • Erbe: Innerhalb der Familie gelten erleichterte Bedingungen.

Fordern Sie hier eine Grundstücksbewertung an

Geben Sie Ihre Adresse ein, um eine Bewertung zu starten, und kontaktieren Sie einen lokalen Makler, um eine unverbindliche Begutachtung vor Ort zu vereinbaren.

Fazit: So planen Sie den Verkauf von Agrarland richtig

Die Bewertung landwirtschaftlicher Flächen ist deutlich kniffliger als bei Bauland, da das BGBB in der Schweiz den Rahmen eng steckt. Wenn Sie wissen wollen, wie die Landwirtschaftsland-Preise in der Schweiz aktuell aussehen, müssen Sie klar zwischen dem Ertragswert und dem erlaubten Höchstpreis unterscheiden.

Egal ob Sie eine Parzelle im Thurgau oder im Mittelland verkaufen: Schauen Sie sich die Bodenqualität, die gesetzlichen Preisobergrenzen und die Praxis in Ihrem Kanton genau an. Eine professionelle Schätzung hilft Ihnen dabei, dass die Behörden den Preis nicht als «übersetzt» ablehnen und den Verkauf reibungslos bewilligen.

FAQ

Worauf muss ich achten, wenn ich Landwirtschaftsland im Thurgau kaufen will?

Neben der Eignung als Selbstbewirtschafter müssen Sie die kantonalen Höchstpreisgrenzen des Thurgauer Amtes für Landwirtschaft einhalten, die sich stark an der hohen Bodenqualität der Region orientieren.

Wie viel Kredit bekomme ich auf mein Landwirtschaftsland?

Anders als bei privaten Immobilien zählt bei Agrarland nicht der Marktwert, sondern der Ertragswert. Die gesetzliche Belastungsgrenze ist im BGBB festgeschrieben und soll die Verschuldung der Landwirtschaft begrenzen. Als Faustregel gilt: Banken finanzieren meist bis zu 100 % des Ertragswerts. Da der Kaufpreis (Verkehrswert) oft höher ist als der Ertragswert, müssen Käufer den Differenzbetrag meist durch signifikante Eigenmittel oder zusätzliche Sicherheiten decken.

Oliver S.
Oliver S. schreibt seit 15 Jahren über den Immobilienmarkt. Er ist auf Immobilien spezialisiert und betreibt seit 2012 einen professionellen Blog mit bislang über 1'000 Artikeln und etwa 1 Million Seitenaufrufen pro Jahr. Darüber hinaus hat er in den letzten Jahren 5 Bücher über Management und Führung veröffentlicht.
Ähnliche Artikel
Schätzung von Haus und Grundstück: So ermitteln Sie den Verkehrswert

Schätzung von Haus und Grundstück: So ermitteln Sie den Verkehrswert

Der Wert von Haus und Grundstück ergibt sich aus dem Bodenwert des Grundstücks und dem Gebäudewert des Hauses. Für die Schätzung von Haus und Grundstück kommen in der Schweiz drei Verfahren infrage: das Vergleichs-, das Ertrags- und das Sachwertverfahren. Bei selbst bewohnten Häusern wird häufig die hedonische Methode eingesetzt, die für Standardobjekte eine marktnahe Schätzung […]
17.06.2026
Immobilienbewertung bei einer Scheidung: Verkehrswert, Auszahlung und Aufteilung

Immobilienbewertung bei einer Scheidung: Verkehrswert, Auszahlung und Aufteilung

Die Immobilienbewertung bei einer Scheidung richtet sich nach dem Verkehrswert, also dem Preis, der am freien Markt erzielbar wäre (Art. 211 ZGB). Massgebend ist der Wert im Zeitpunkt der güterrechtlichen Auseinandersetzung (Art. 214 ZGB), nicht der Kaufpreis von damals. Bleibt eine Partei im Haus, zahlt sie die andere anteilig aus, andernfalls wird verkauft und der […]
12.06.2026
Gewerbeimmobilien bewerten in der Schweiz: Methoden, NOI und Cap Rate

Gewerbeimmobilien bewerten in der Schweiz: Methoden, NOI und Cap Rate

Eine Gewerbeimmobilie bewerten Sie über den Ertrag, den sie nachhaltig erwirtschaftet. In der Schweizer Praxis sind das Ertragswertverfahren und die Discounted-Cashflow-Methode (DCF) die beiden anerkannten Standards. Vergleichs- und Realwertverfahren ergänzen die Bewertung als Plausibilitäts-Check. Der Marktwert ergibt sich aus dem Nettomietertrag (NOI), einem objektgerechten Kapitalisierungssatz (Cap Rate) und der Berücksichtigung von Lage, Mieterstruktur, Vertragsqualität und […]