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SIA 116 oder 416

Oliver S.
27.04.2026
4 min

SIA 116 oder 416: Unterschiede, Berechnung und was heute gilt

Wenn Sie sich fragen, ob für Ihr Bauprojekt die SIA 116 oder 416 massgebend ist, lautet die klare Antwort: Seit 2003 gilt die SIA 416 als gültiger Standard für Flächen- und Volumenberechnungen in der Schweiz. Die alte Norm SIA 116 aus dem Jahr 1952 findet sich heute nur noch in älteren Versicherungspolicen oder kommunalen Zonenordnungen. Was der Unterschied bedeutet und warum er Ihre Baukosten beeinflusst, erfahren Sie hier.

Das Wichtigste im Überblick
  • SIA 416 (2003) ist die heute gültige Norm für Flächen- und Volumenberechnungen in der Schweiz.
  • SIA 116 (1952) ist veraltet, taucht aber noch in Versicherungsunterlagen und alten Zonenordnungen auf.
  • Das Volumen nach SIA 116 ist typischerweise rund 12 % grösser als jenes nach SIA 416. Wer Kennwerte aus beiden Normen mischt, riskiert Budgetfehler.

Definition und Geltungsbereich: Was ist die SIA 416?

Die SIA 416 ist eine Norm des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) aus dem Jahr 2003. Sie löste die veraltete SIA 116 ab und regelt verbindlich, wie Flächen und Volumen von Gebäuden berechnet werden. Grundlage ist nicht mehr ein theoretisches, sondern das physisch messbare Gebäudevolumen, gemessen ab der fertigen Fassadenoberfläche. Die SIA 416 ist heute die Referenz für Baubewilligungen, Kostenschätzungen, Bankfinanzierungen und Gebäudeversicherungen.

Sie erfasst folgende Kenngrössen:

  • Gebäudevolumen (GV) in m³ – das effektiv umbaute Raumvolumen
  • Geschossfläche (GF) in m² – alle Grundflächen inklusive Wandkonstruktionen
  • Nettowohnfläche (NWF) in m² – in Mietverträgen und Inseraten gebräuchliche Bezeichnung für den bewohnbaren Raum innerhalb der Aussenwände. Die SIA 416 verwendet dafür formal den Begriff Nettogeschossfläche (NGF).
  • Gebäudegrundfläche (GGF) in m² – der exakte Gebäude-Fussabdruck
  • Aussengeschossfläche (AGF) in m² – Balkone, Terrassen und ähnliche Bereiche (wird in der SIA 416 ebenfalls als AGF abgekürzt, nicht zu verwechseln mit der Anrechenbaren Geschossfläche im Baurecht)

Neben der SIA 416 gibt es weitere für Bauherren relevante SIA-Normen, etwa die SIA 118 (Bauleistungsvertrag), SIA 261 (Tragwerke) und SIA 180 (Wärme- und Feuchteschutz). Im Kontext von Kostenschätzungen ist die SIA 416 jedoch mit Abstand die wichtigste.

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SIA 116 vs. SIA 416: Was unterscheidet die beiden Normen?

MerkmalSIA 116 (1952)SIA 416 (2003)
VolumenmethodeTheoretisch, mit ZuschlägenEffektiv, geometrisch messbar
DachberechnungFiktive ZuschlägeTatsächliches Dachvolumen
GültigkeitsstatusVeraltetAktueller Standard
Typisches Volumen~12 % grösserBasis
KubikmeterpreisNiedrigerHöher (kleineres Volumen)

Die SIA 116 arbeitete mit fiktiven Volumenzuschlägen für Dachneigungen, Dachaufbauten oder Fundamente. Das Ergebnis war ein theoretisches Volumen, das grösser war als die bauliche Realität. Die SIA 416 verzichtet vollständig auf solche Zuschläge. Damit sind Berechnungen für Nicht-Fachleute nachvollziehbarer und Projekte direkt miteinander vergleichbar.

Nutzflächen nach SIA 416: Wohnfläche, Geschossfläche und Gebäudevolumen

Die SIA 416 unterscheidet zwischen drei Flächenbegriffen, die in der Praxis oft verwechselt werden:

  • Nettogeschossfläche (NGF): Der tatsächlich bewohnbare Raum, gemessen bis zur Innenfläche der Aussenwände. Dazu gehören Zimmer, Küche, Bad und WC – ohne die Wandstärken der Innenwände.
  • Geschossfläche (GF): Grösser als die Wohnfläche, weil sie auch die Aussenwandkonstruktionen einschliesst. Sie dient als Planungsbezugsgrösse und bildet die Grundlage des Zürcher Wohnbaukostenindex.
  • Gebäudevolumen (GV): Das effektiv umbaute Raumvolumen in m³. Es ist die Basis für den Kubikmeterpreis und damit für jede Grobkostenschätzung. 

SIA 416 m³-Preis und kubische Berechnung: ein konkretes Beispiel

Der Kubikmeterpreis gibt an, wie viel ein Kubikmeter Gebäudevolumen in der Rohbauphase kostet. Kosten für die Umgebungsgestaltung, Honorare und Nebenkosten gehören nicht dazu. In der Schweiz bewegen sich aktuelle Richtwerte nach SIA 416 typischerweise in folgenden Bereichen:

GebäudetypKubikmeterpreis (CHF/m³, Richtwerte 2025/2026)
Normales Einfamilienhaus800 – 900
Gehobenes Einfamilienhaus1'000 – 1'200
Normales Mehrfamilienhaus700 – 850
Gehobenes Mehrfamilienhaus900 – 1'050
Die obigen Richtwerte basieren auf Erfahrungswerten und verstehen sich exklusive Landkosten, Honorare und Nebenkosten (BKP 0, 4, 5). Sie können je nach Region, Baustandard und Marktentwicklung abweichen. Für aktuelle Werte empfiehlt sich die Rücksprache mit einem Architekten oder Baukostenfachmann.

Rechenbeispiel: Ein Einfamilienhaus mit einem Gebäudevolumen von 800 m³ nach SIA 416 und einem Kubikmeterpreis von CHF 850/m³ ergibt geschätzte Baukosten von CHF 680'000. Bei einer Kostentoleranz von ± 20–25 % in der Vorprojektphase liegt die realistische Bandbreite zwischen CHF 510'000 und CHF 850'000.

Dasselbe Haus hätte nach SIA 116 ein Volumen von rund 896 m³ (+ 12 %), wodurch der Kubikmeterpreis entsprechend tiefer wäre. Die Gesamtkosten blieben ähnlich, die Kennzahlen sind jedoch nicht direkt vergleichbar. Vergleichen Sie daher niemals einen Kubikmeterpreis nach SIA 116 mit einem Volumen nach SIA 416 – das führt systematisch zu einer Unterschätzung der tatsächlichen Baukosten.

Die Genauigkeit der Kostenschätzung hängt vom Planungsstand ab:

ProjektphaseKostentoleranz
Vorprojekt / Machbarkeitsstudie± 20–25 %
Projektphase / Baueingabe± 15–20 %
Detaillierter Kostenvoranschlag± 10 %

Warum die SIA 116 noch immer auftaucht – und wie Sie damit umgehen

Obwohl die SIA 116 seit über zwanzig Jahren als überholt gilt, begegnet sie Bauherren immer noch regelmässig: in älteren kommunalen Zonenordnungen, in Gebäudeversicherungspolicen, in Steuerunterlagen zum Eigenmietwert oder bei Altliegenschaften ohne Neuberechnung.

Praktischer Tipp: Wollen Sie einen Volumenwert nach SIA 116 in einen SIA-416-Wert umrechnen, ziehen Sie rund 12 % ab. Je nach Gebäudeform variiert der genaue Wert zwischen 7 und 15 %. Für eine präzise Neuberechnung empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Architekten oder Fachspezialisten – besonders wenn Bankgespräche oder Hypothekenanfragen anstehen.

Fazit: SIA 116 oder 416 – die Wahl hat finanzielle Konsequenzen

Die Frage «SIA 116 oder 416?» ist keine rein akademische. Wer die falsche Norm anwendet oder Kennwerte aus unterschiedlichen Systemen kombiniert, riskiert fehlerhafte Kostenschätzungen, erschwerte Bankgespräche und Korrekturen bei der Baueingabe. Die SIA 416 ist seit 2003 der gültige Standard. Deshalb gilt: Wer heute plant, baut oder eine Immobilie verkauft, sollte konsequent auf dieser Basis arbeiten.

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FAQ

Was ist der Unterschied zwischen SIA 116 und SIA 416?

Die SIA 116 (1952) arbeitete mit fiktiven Volumenzuschlägen für Bauteile wie Dächer, was zu einem theoretisch grösseren Volumen führte. Die SIA 416 (2003) erfasst nur das tatsächlich messbare Gebäudevolumen. Als Faustregel gilt: SIA-116-Werte sind rund 12 % grösser als SIA-416-Werte.

Was ist die SIA 416?

Die SIA 416 ist die seit 2003 gültige Schweizer Norm für Flächen- und Volumenberechnungen von Gebäuden. Sie ist die Grundlage für Baubewilligungen, Kostenschätzungen, Finanzierungen und Versicherungen im Schweizer Bauwesen.

Wie werden Nutzflächen nach SIA 416 definiert?

Die SIA 416 unterscheidet zwischen der Geschossfläche (GF, inklusive Aussenwandkonstruktionen), der Nettogeschossfläche (NGF, bewohnbarer und nutzbarer Raum innerhalb der Wände) und der Aussengeschossfläche (Balkone, Terrassen). In der Vermarktung wird die NGF oft als Nettowohnfläche (NWF) bezeichnet. Diese klare Gliederung macht verschiedene Objekte direkt vergleichbar.

Was tue ich, wenn meine Gebäudeversicherung noch SIA-116-Werte ausweist?

Ziehen Sie rund 12 % vom ausgewiesenen Volumen ab, um einen SIA-416-Vergleichswert zu erhalten. Für eine präzise Neuberechnung empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Architekten oder einer Fachperson.

Oliver S.
Oliver S. schreibt seit 15 Jahren über den Immobilienmarkt. Er ist auf Immobilien spezialisiert und betreibt seit 2012 einen professionellen Blog mit bislang über 1'000 Artikeln und etwa 1 Million Seitenaufrufen pro Jahr. Darüber hinaus hat er in den letzten Jahren 5 Bücher über Management und Führung veröffentlicht.