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SIA 116 oder 416

Yassin StotzAktualisiert am 05.11.20266 Min. Lesezeit

SIA 116 oder 416: Unterschiede, Berechnung und was heute gilt

Wenn Sie sich fragen, ob für Ihr Bauprojekt die SIA 116 oder 416 massgebend ist, lautet die klare Antwort: Seit 2003 gilt die SIA 416 als Standard für Flächen- und Volumenberechnungen in der Schweiz. Die alte Norm SIA 116 aus dem Jahr 1952 begegnet Ihnen heute unter anderem in älteren Versicherungspolicen, in alten Bauplänen oder in kommunalen Vorschriften. Was der Unterschied bedeutet und warum er Ihre Baukosten beeinflusst, erfahren Sie hier.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die SIA 416 (Ausgabe 2003) ist die heute gültige Norm für Flächen- und Volumenberechnungen von Gebäuden in der Schweiz.
  • Die SIA 116 (1952) gilt als historische Berechnungsgrundlage und taucht noch in Altunterlagen wie Versicherungspolicen und alten Bauplänen auf.
  • Das Volumen nach SIA 116 fällt je nach Gebäudeform rund 7 bis 15 % grösser aus als nach SIA 416. Als Faustregel gelten 12 %, eine allgemeingültige Umrechnungsregel ist das aber nicht.
  • Vergleichbar sind Kennwerte nur bei gleicher Norm und gleicher Kostengrundlage. Ob Sie mit SIA 116 oder 416 rechnen – mischen Sie beide Systeme, drohen Budgetfehler.

Definition und Geltungsbereich: Was ist die SIA 416?

Die SIA 416 mit dem Titel «Flächen und Volumen von Gebäuden» ist eine technische Norm des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) aus dem Jahr 2003. Sie löste die ältere SIA 116 ab und legt fest, wie Flächen und Volumen von Gebäuden erfasst und gegliedert werden. Grundlage ist nicht mehr ein theoretisches, sondern das physisch messbare Gebäudevolumen, gemessen ab der fertigen Fassadenoberfläche. Damit schafft sie eine gemeinsame Basis für Planungen, Flächenvergleiche und Baukostenschätzungen.

Wichtig für Sie: Die SIA 416 ist nicht automatisch für jede Baubewilligung, Gebäudeversicherung oder Bankbewertung verbindlich. Je nach Kanton, Gemeinde, Vertrag und Versicherer gelten zusätzliche oder abweichende Berechnungsregeln.

Die Norm erfasst folgende Kenngrössen:

  • Gebäudevolumen (GV) in m³ – das effektiv umbaute Raumvolumen.
  • Geschossfläche (GF) in m² – alle Grundflächen inklusive Wandkonstruktionen.
  • Nettowohnfläche (NWF) in m² – in Mietverträgen und Inseraten gebräuchliche Bezeichnung für den bewohnbaren Raum. Sie entspricht am ehesten der Nutzfläche und ist nicht mit der gesamten Nettogeschossfläche gleichzusetzen.
  • Gebäudegrundfläche (GGF) in m² – der exakte Gebäude-Fussabdruck.
  • Aussengeschossfläche (AGF) in m² – Balkone, Terrassen und ähnliche Bereiche. Sie ist nicht mit der anrechenbaren Geschossfläche im kantonalen Baurecht zu verwechseln.

Neben der SIA 416 gibt es weitere für Bauherren relevante SIA-Normen, darunter die SIA 118 (Bauleistungsvertrag), die SIA 261 (Tragwerke) und die SIA 180 (Wärme- und Feuchteschutz). Für Flächen- und Volumenkennwerte ist jedoch die SIA 416 die massgebende Grundlage.

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SIA 116 vs. SIA 416: Was unterscheidet die beiden Normen?

Bei der Frage, ob Sie mit SIA 116 oder 416 planen, liegt der Hauptunterschied in der Messmethode: Während die SIA 116 mit fiktiven Zuschlägen für Dachneigungen, Dachaufbauten und Fundamente arbeitete, erfasst die SIA 416 das tatsächlich umbaute Volumen. Deshalb fällt das SIA-116-Volumen in der Regel grösser aus als die bauliche Realität.

MerkmalSIA 116 (1952)SIA 416 (2003)
VolumenmethodeTheoretisch, mit ZuschlägenEffektiv, geometrisch messbar
DachberechnungFiktive ZuschlägeTatsächliches Dachvolumen
GültigkeitsstatusHistorische VorgängernormAktueller Standard
Typisches VolumenRund 7 bis 15 % grösser (Faustregel 12 %)Basis
KubikmeterpreisNiedriger (grösseres Volumen)Höher (kleineres Volumen)
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Die SIA 416 verzichtet vollständig auf solche Zuschläge. Dadurch werden Berechnungen für Nicht-Fachleute nachvollziehbarer. Vergleichbar sind zwei Projekte aber erst, wenn die Norm, die Volumenabgrenzung und der Kostenumfang übereinstimmen.

Flächen nach SIA 416: Geschossfläche, Nettogeschossfläche und Nutzfläche

Die SIA 416 gliedert die Gesamtfläche eines Gebäudes in eine klare Struktur. Diese Begriffe werden in der Praxis oft verwechselt, bauen aber systematisch aufeinander auf:

  • Geschossfläche (GF): die gesamte Grundfläche aller Geschosse inklusive der Aussen- und Innenwände. Sie dient als Planungsbezugsgrösse.
  • Nettogeschossfläche (NGF): die Geschossfläche abzüglich der Konstruktionsflächen. Sie umfasst nicht nur Wohnräume, sondern auch Korridore, Treppen und Technikflächen.
  • Konstruktionsfläche (KF): die Fläche der Wände und Stützen. Es gilt: Geschossfläche = Nettogeschossfläche plus Konstruktionsfläche.
  • Nutzfläche (NF): der Teil der Nettogeschossfläche, der dem eigentlichen Zweck dient. Sie teilt sich in die Hauptnutzfläche für Wohn- und Aufenthaltsräume und die Nebennutzfläche für Keller, Estrich und Waschküche.
  • Verkehrs- und Funktionsfläche (VF und FF): Flächen für die Erschliessung sowie für die Haustechnik und die Gebäudefunktionen.

Die in Inseraten genannte Nettowohnfläche entspricht am ehesten der Hauptnutzfläche. Der Keller, die Waschküche und die Technikräume zählen zur Nutz- oder Nettogeschossfläche, aber nicht zur Wohnfläche. Prüfen Sie deshalb in Verkaufs- und Mietunterlagen immer, welche Flächendefinition ausgewiesen ist.

Das Gebäudevolumen (GV) schliesslich bezeichnet das umbaute Raumvolumen in m³. Es bildet die Basis für den Kubikmeterpreis und damit für jede Grobkostenschätzung.

SIA 416 m³-Preis und kubische Berechnung mit Rechenbeispiel

Der Kubikmeterpreis gibt an, welche Baukosten auf einen Kubikmeter Gebäudevolumen entfallen. Er bezieht sich im Schweizer Hochbau in der Regel auf die Gebäudekosten nach BKP 2 (Gebäude). Die Umgebungsarbeiten, die Honorare und die übrigen Nebenkosten gehören nicht dazu. Aktuelle Richtwerte nach SIA 416 bewegen sich typischerweise in diesen Bereichen:

GebäudetypKubikmeterpreis (CHF/m³, Richtwerte 2025/2026)
Normales Einfamilienhaus800–900
Gehobenes Einfamilienhaus1'000–1'200
Normales Mehrfamilienhaus700–850
Gehobenes Mehrfamilienhaus900–1'050
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Die Werte sind Erfahrungswerte und verstehen sich exklusive des Grundstücks (BKP 0), der Umgebung (BKP 4) und der Baunebenkosten (BKP 5). Auch Honorare sind nicht enthalten. Sie können je nach Region, Baustandard und Marktentwicklung abweichen, weshalb sich die Rücksprache mit einem Architekten oder Baukostenfachmann empfiehlt.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das. Ein Einfamilienhaus hat ein Gebäudevolumen von 800 m³ nach SIA 416. Bei einem Kubikmeterpreis von CHF 850.–/m³ ergeben sich geschätzte Baukosten von CHF 680'000.–. In der Vorprojektphase liegt die realistische Bandbreite zwischen CHF 510'000.– und CHF 850'000.–.

Dasselbe Haus käme nach SIA 116 auf ein rechnerisch grösseres Volumen. Als Faustregel sind das rund 12 % mehr. Der zugehörige Kubikmeterpreis wäre entsprechend tiefer. Die Kennzahlen aus SIA 116 oder 416 sind deshalb nicht vergleichbar.

Häufiger Fehler: Wenn Sie einen Kubikmeterpreis aus einer SIA-116-Police mit einem nach SIA 416 berechneten Volumen kombinieren, unterschätzen Sie die Baukosten. Das SIA-116-Volumen fällt je nach Gebäudeform rund 7 bis 15 % grösser aus. Als Faustregel gelten 12 %. Rechnen Sie das Volumen und den Kubikmeterpreis immer in derselben Norm.

Wie genau eine Schätzung ausfällt, hängt vom Planungsstand ab. Die folgenden Toleranzen sind Richtwerte aus der Projektplanung:

ProjektphaseKostentoleranz
Vorprojekt / Machbarkeitsstudie±20 bis 25 %
Projektphase / Baueingabe±15 bis 20 %
Detaillierter Kostenvoranschlag±10 %
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Warum die SIA 116 noch immer auftaucht – und wie Sie damit umgehen

Die Unterscheidung von SIA 116 oder 416 wird vor allem bei Altunterlagen wichtig. Obwohl die SIA 116 seit über zwanzig Jahren als überholt gilt, begegnet sie Eigentümern und Käufern weiterhin. Sie findet sich in älteren Gebäudeversicherungspolicen, in alten Bauplänen oder in Steuerunterlagen zum Eigenmietwert. Der Eigenmietwert bezeichnet den steuerbaren Mietwert von selbst bewohntem Wohneigentum.

Für die Einordnung von SIA 116 oder 416 prüfen Sie zuerst, welche Norm in Ihren Unterlagen steht. Liegt Ihnen eine SIA-116-Angabe vor, ziehen Sie für eine erste Orientierung rund 12 % vom Volumen ab. Je nach Gebäudeform liegt die Abweichung zwischen 7 und 15 %. Für Bankgespräche, Verkäufe oder Hypothekarverlängerungen lassen Sie die Flächen von einem Architekten oder einer Fachperson neu einmessen.

Fazit: SIA 116 oder 416 – die Wahl hat finanzielle Konsequenzen

Falsch angewandte oder vermischte Normwerte führen zu fehlerhaften Kostenschätzungen, erschwerten Bankgesprächen und Korrekturen bei der Baueingabe. Seit 2003 ist die SIA 416 der gültige Standard für Flächen und Volumen von Gebäuden. Prüfen Sie vor jeder Planung, jedem Verkauf und jeder Finanzierung, ob ein Wert nach SIA 116 oder 416 berechnet wurde, und stützen Sie sich konsequent auf die SIA 416.

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Quellen

  • SIA – Norm SIA 416 «Flächen und Volumen von Gebäuden», Ausgabe 2003 (abgerufen am 05.11.2026): shop.sia.ch
  • Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein – Normenwerk Hochbau (abgerufen am 05.11.2026): sia.ch

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen SIA 116 und SIA 416?

Die SIA 116 aus dem Jahr 1952 arbeitete mit fiktiven Volumenzuschlägen für Bauteile wie Dächer, was zu einem theoretisch grösseren Volumen führte. Die 2003 eingeführte SIA 416 erfasst nur das tatsächlich messbare Gebäudevolumen. Als Faustregel fallen SIA-116-Werte rund 7 bis 15 % grösser aus. Meist wird mit 12 % gerechnet.

Ist die Norm SIA 116 heute noch gültig?

Nein. Die SIA 416 aus dem Jahr 2003 ist die aktuelle Norm für Flächen und Volumen von Gebäuden. Die SIA 116 dient heute nur noch als historische Referenz in Altunterlagen.

Wo finde ich den Volumenwert meines Gebäudes?

Das Gebäudevolumen finden Sie in der Gebäudeversicherungspolice, in den Bauplänen oder bei Ihrem Architekten. Prüfen Sie dabei, nach welcher Norm der Wert berechnet wurde, bevor Sie ihn weiterverwenden.

Was tue ich, wenn meine Gebäudeversicherung noch SIA-116-Werte ausweist?

Ziehen Sie für eine erste Orientierung rund 12 % vom ausgewiesenen Volumen ab, um einen groben SIA-416-Vergleichswert zu erhalten. Für eine präzise Neuberechnung empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Architekten oder einer Fachperson.

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