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Ertragswertmethode

Oliver S.
11.05.2026
3 min

Ertragswertmethode: Definition, Formel und Berechnung

Die Ertragswertmethode bewertet Immobilien und Unternehmen auf Basis ihrer zukünftigen Erträge. Sie setzt die jährlichen Nettoerträge ins Verhältnis zum Kapitalisierungssatz – das Ergebnis ist der Ertragswert. In der Schweiz ist sie das Standardverfahren für Renditeliegenschaften und KMU-Bewertungen.

Das Wichtigste im Überblick
  • Grundprinzip: Wert = zukünftige Erträge, nicht Substanz
  • Formel: Nettoertrag × 100 ÷ Kapitalisierungssatz = Ertragswert
  • Anwendung bei Renditeliegenschaften, Gewerbeimmobilien und Unternehmen
  • Der Kapitalisierungssatz variiert je nach Lage, Risiko und Markt
  • Bewertungsgenauigkeit bei typischen Objekten (z. B. Mehrfamilienhäuser): schätzungsweise ± 10 % – je nach Datenlage und Objekttyp

Wie funktioniert die Ertragswertmethode bei Immobilien?

Die Ertragswertmethode eignet sich für Liegenschaften, die primär Mieteinnahmen generieren: Mehrfamilienhäuser, Gewerbeimmobilien, Hotels oder gemischt genutzte Renditeliegenschaften. Bei selbst genutztem Wohneigentum ist die hedonische Methode in der Regel passender: Sie ermittelt den Marktwert anhand tatsächlicher Verkaufspreise vergleichbarer Objekte – und nicht auf Basis von Ertragserwartungen.

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Formel und Rechenbeispiel für Immobilien

Formel: Ertragswert = (Jährliche Nettomieteinnahmen × 100) ÷ Kapitalisierungssatz

Rechenbeispiel:

GrösseWert
Jährliche NettomieteinnahmenCHF 30'000
Kapitalisierungssatz3,5 %
ErtragswertCHF 857'143

Der Nettoertrag ergibt sich aus dem Bruttomietertrag abzüglich Bewirtschaftungs- und Unterhaltskosten (Verwaltung, Versicherungen, Instandhaltung, Leerstandsrisiko). Heiz- und Nebenkosten, die Mieter tragen, fliessen nicht ein.

Der Kapitalisierungssatz wird für jede Liegenschaft individuell festgelegt, da hier die Lage, das Leerstandsrisiko, der Objektzustand und die Marktbedingungen einfliessen. Es gibt keinen pauschalen Richtwert. In der Schweiz bewegen sich typische Sätze je nach Objekt, Lage und Zinsniveau zwischen 3,5 % und 6 % – in Ausnahmelagen auch darunter.

Wichtig: Steigen die Marktzinsen, erhöht sich in der Regel auch der Kapitalisierungssatz, wodurch der Ertragswert sinkt. Gleichzeitig erlaubt ein steigender hypothekarischer Referenzzinssatz den Vermietern, die Mieten anzuheben. Höhere Mieteinnahmen können den wertmindernden Effekt teilweise ausgleichen.

Ertragswertmethode bei der Unternehmensbewertung

Bei Schweizer KMU tritt der bereinigte Betriebsgewinn an die Stelle der Mieteinnahmen. Das Unternehmen gilt als Investition: Massgebend ist, was es künftig erwirtschaftet, nicht sein Buchwert.

Formel und Rechenbeispiel für Unternehmen

Formel: Unternehmenswert = (Bereinigter Betriebsgewinn × 100) ÷ Kapitalisierungszinsfuss

Rechenbeispiel:

GrösseWert
Bereinigter Betriebsgewinn (Ø 3 Jahre)CHF 200'000
Kapitalisierungszinsfuss12 %
UnternehmenswertCHF 1'666'667

Die Gewinnbereinigung ist zentral: Einmaleffekte, betriebsfremde Erträge und überhöhte oder zu niedrige Inhaberlöhne werden korrigiert. Nicht betriebliche Vermögenswerte wie die Überschussliquidität oder betriebsfremde Liegenschaften werden separat bewertet und zum Ertragswert addiert.

Der Kapitalisierungszinsfuss für KMU liegt in der Praxis typischerweise zwischen 10 % und 15 % und setzt sich zusammen aus:

  • Risikolosem Zinssatz (z. B. Rendite zehnjähriger Bundesobligationen)
  • Marktrisikoprämie
  • Unternehmensspezifischen Zuschlägen: Abhängigkeit von Schlüsselpersonen, Klumpenrisiken bei Kunden oder Lieferanten, Branchenrisiko

Schon kleine Änderungen am Zinsfuss wirken sich stark auf den Ertragswert aus, weshalb die Bestimmung des Kapitalisierungszinsfusses Fachwissen voraussetzt.

Vereinfachtes Ertragswertverfahren

Das vereinfachte Ertragswertverfahren verzichtet auf eine detaillierte Mehrjahresplanung und verwendet den bereinigten Durchschnittsgewinn der letzten drei Geschäftsjahre als nachhaltige Ertragsgrösse. Es kommt zum Einsatz bei:

  • Nicht börsennotierten Unternehmen ohne vergleichbare Transaktionen
  • Steuerrechtlichen Bewertungen (z. B. Erbschafts- und Schenkungssteuer)
  • Zivilrechtlichen Auseinandersetzungen wie Erbteilungen

Vorteile und Nachteile der Ertragswertmethode

VorteileGrenzen
Spiegelt die zukünftige Ertragskraft widerPrognosen sind unsicher
Flexibel für Immobilien und UnternehmenSubstanzwerte bleiben unberücksichtigt
Marktrisiken werden über den Kapitalisierungssatz abgebildetWenig geeignet bei unregelmässigen Erträgen
In der Praxis breit anerkanntKapitalisierungssatz erfordert Fachkenntnis

Fazit: Ertragswertmethode

Die Ertragswertmethode ist das zentrale Bewertungsverfahren für Renditeliegenschaften und ertragsorientierte Unternehmen in der Schweiz. Sie liefert einen marktnahen Wert – vorausgesetzt, der Kapitalisierungssatz wird sorgfältig und sachkundig bestimmt. Für eine zuverlässige Bewertung empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Immobilienfachmann oder die Nutzung einer professionellen Online-Immobilienbewertung.

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FAQ

Wie wird der Ertragswert berechnet?

Der Ertragswert ergibt sich aus: Nettomieteinnahmen × 100 ÷ Kapitalisierungssatz. Bei Unternehmen tritt der bereinigte Betriebsgewinn an die Stelle der Mieteinnahmen.

Was ist der Unterschied zwischen Ertragswert und Verkehrswert?

Der Ertragswert basiert auf Ertragserwartungen und ist eine Berechnungsgrösse. Der Verkehrswert ist der geschätzte Marktwert einer Immobilie zum Bewertungszeitpunkt – er kann auf dem Ertragswert basieren, ergibt sich aber je nach Bewertungsmethode auch aus anderen Verfahren.

Wann ist die Ertragswertmethode nicht geeignet?

Sie eignet sich weniger für selbst bewohnte Immobilien, Luxusobjekte ohne klare Ertragsströme oder Unternehmen mit stark schwankenden oder negativen Gewinnen. Hier bieten die Substanzwertmethode oder das hedonische Preismodell bessere Anhaltspunkte.

Was ist ein typischer Kapitalisierungssatz in der Schweiz?

Bei Renditeliegenschaften liegt er je nach Lage und Objekttyp zwischen 3,5 % und 6 %. Bei KMU-Bewertungen typischerweise zwischen 10 % und 15 %.

Gibt es einen Rechner für das Ertragswertverfahren?

Einen spezialisierten Rechner ersetzt die Formel problemlos: Nettoertrag × 100 ÷ Kapitalisierungssatz lässt sich in jeder Tabellenkalkulation abbilden. Da der Kapitalisierungssatz jedoch Marktkenntnis und Fachurteil erfordert, liefert die Formel allein nur einen Näherungswert. Für eine belastbare Bewertung empfiehlt sich eine professionelle Immobilienbewertung durch einen Experten.

Oliver S.
Oliver S. schreibt seit 15 Jahren über den Immobilienmarkt. Er ist auf Immobilien spezialisiert und betreibt seit 2012 einen professionellen Blog mit bislang über 1'000 Artikeln und etwa 1 Million Seitenaufrufen pro Jahr. Darüber hinaus hat er in den letzten Jahren 5 Bücher über Management und Führung veröffentlicht.